Vereinsabend     Training   Jugendtraining    
Donnerstags Donnerstags Donnerstags
19:30 19:30 18:00

Vereinsblitz - Schnellschach - Vereinsmeisterschaft + Online: Lichess.org

Nachruf Rudolf Menter (1934 - 2026)

Kategorie: Verein  82 hits

Rudolf Menter 2014 beim Südstadtfest

Rudolf Menter 2014 beim Südstadtfest

Liebe Schachfreunde,

am letzten Wochenende erreichte mich durch den Vorsitzenden Helmut Luther die Nachricht, dass unser Schachfreund Rudolf Menter verstorben ist. Geboren wurde er am 13.12.1934, erreichte also ein stolzes Alter von 91 Jahren. Sfr. Menter war ein Urgewächs des Schachklubs 1918 Nürnberg-Süd. Diese beiden Vereine haben 1970 fusioniert.

Das Gründungsjahr der "Süder" war übrigens 1925, das der "1918er" verrate ich hier nicht. Wie man aus der damaligen Nachricht, die ich hier anfüge, ersehen kann, war Sfr. Menter bei der damaligen Fusion um 1970 bereits sehr aktiv.

Als ich 1984 im zarten Alter von 30 Jahren dem Schachklub beitrat und nach einem kurzen Intermezzo als Kassier den Vereinsvorsitz übernahm, war er über viele Jahre nicht nur ein Mannschaftskollege, sondern auch ein Vorstandskollege. Er hatte die heute nicht mehr so gängige Position eines Schachwartes inne. Ich lernte den Sfr. Menter als einen Menschen kennen, der sehr freundlich mit den anderen Mitgliedern umgegangen ist. Er konnte aber auch sehr deutlich seine Meinung sagen, wenn ihm etwas nicht passte. Als Schachwart geriet er regelmäßig in Konflikt mit den Mitgliedern, die beim Blitzen die damals noch digitalfreien Schachuhren herumwarfen und damit jedes Mal die Gefahr bestand, dass die mechanischen Werke beschädigt wurden. Des Weiteren hat er sich regelmäßig darüber beschwert, dass die Leute ihre Figuren nach dem Spiel nicht aufräumen, sondern einfach alles wild durcheinander stehen lassen und nach Hause gehen. Dies führte dann regelmäßig zu Ermahnungen in den Mitgliederversammlungen durch mich als Vorsitzenden, dass die Leute darauf achten sollten, dass der Schachwart für das Material zuständig ist und kein Aufräumwart ist. Gefruchtet haben die Appelle nichts.1976 Rudolf Menter 15 Jahre Schachwart

Als Anwalt hatte ich mit ihm zu tun, als er in Rente ging und sein Chef die Betriebsrente verfrühstückt hatte. Die Sorge, dass die zusätzliche Betriebsrente damit verloren ist, konnte ich in manchen Sitzungen mit seinen Kollegen in einem Café in der Weststadt ausräumen. Dabei lernte ich ihn auch privat etwas näher kennen. Er war von Beruf gelernter Feintäschner, oder etwas vornehmer: Portefeuiller. Auf meine neugierige Frage, was das ist, zeige er mir verschiedene Sachen, die er angefertigt hatte, u.a. sein Gesellenstück. Feintäschner sind Menschen, die kleine Lederwaren herstellen, wie Geldbeutel, Kosmetiktäschchen etc. Als ich seine Stücke, die er hergestellte hatte, ansah, war mir klar, woher sein Ordnungssinn kam, denn bei diesen Kleinteilen, die er noch von Hand bearbeiten konnte, musste akkurat genäht werden.

Als Schachspieler habe ich ihn deswegen gemocht, weil er gerne Fallen stellte und sich jedes Mal wie ein Kind freute, wenn sein Gegner in eine seiner Fallen lief. Bei diesen taktischen Angriffen ließ er oft strategische Überlegungen völlig hintenanstehen. Das machte ihn mir sehr sympathisch, weil es in dem Verein damals noch Jemanden gab, der so ähnlich spielte. Sein Name ist mir leider entfallen.

Als ich ihn einmal darauf ansprach, ob er am Südstadtfest die Standbetreuung mit übernehmen könnte, musste er leider ablehnen, weil er am Wochenende immer auf seine Ranch ging. Das hat mich tief beeindruckt, dass ein Schachmitglied über eine Ranch verfügt. Später stellte sich dann heraus, dass es sich hierbei um einen feststehenden Wohnwagen in der Fränkischen Schweiz handelte, in dem er viele Stunden mit Vergnügen verbachte.

Rudolf war ein leidenschaftlicher Schachspieler und ein ebenso engagierter Vereinsfunktionär. Unter seine Ägide als Schachwart konnte man sicher sein, dass er das Material hütete wie ein Luchs.

Lieber Rudolf, ich werde noch oft an so manche gemeinsame Schlacht in der Kreisliga denken. Es war eine schöne Zeit, noch ganz ohne Computer, bei der man auch mal etwas abseitige Eröffnungen spielen konnte und so den Gegner überraschte, ohne dass er sich vorbereiten konnte. Das führte dann manchmal zu dem Eindruck, dass wir Kreisligaspieler ganz schön gut Schach spielen können. Leider holte uns die damalige Wertungszahl Ingo, die Vorläuferin der DWZ schnell auf den Boden der Tatsachen zurück.

Es hat mir aber immer Spaß gemacht, zusammen mit dir und den anderen Mannschaftskollegen in einer Mannschaft zu spielen und dich als Mitglied in unserem Verein an meiner Seite zu haben. Schade, dass wir dich verloren haben. Ich werde dich immer als Schachhaudegen in Erinnerung behalten.

Winfried