Knapp die Sensation verpasst - 4:4 gegen SK Zirndorf 2

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ClaudiuBala Brueckenfestival2012Bereits Mitte der Woche mailte mir Sfr. Mikhail  Petrov, dass er wahrscheinlich nicht spielen kann. Ich hoffte bis zum Schluss, erhielt aber am Freitag seine endgültige Absage. Ich beschloss, meine Mannschaft nicht darüber zu informieren, dass alle ein Brett rutschen mussten und der Farbwechsel jede Vorbereitung (falls sie stattgefunden hat) Makulatur werden ließ. Außerdem nahm ich kein Ligaheft mit. So wusste keiner so recht, welche DWZ sein Gegner hatte.

Meine Hoffnungen waren also sehr begrenzt am 21.2.2014 im Heimkampf der 6.Runde der Kreisliga 2. Ich baute die Holzbretter mit den Elektronenuhren auf, um unseren Gegner, SK Zirndorf 2, wenigstens mit unserem Equipment zu beeindrucken. Außerdem wählte ich eine Gambit-Eröffnung (NEIN: NICHT BLACKMAR-DIEMER), um wenigstens an meinem Brett Spaß und Spannung zu haben.

 

Die erste Meldung, die mich mitten in einer schwierigen Eröffnungsbehandlung ( ich ließ neben dem geschenkten Gambitbauern einen weitern Bauern hängen, den sich mein Gegner nicht nehmen traute) erreicht mich die Siegesnachricht von Claudiu Bala. Von seinem Spiel hatte ich nichts mitbekommen. Er berichtete mir aber, dass sein Gegner ihn am Damenflügel mit den Bauern ohne ausreichende Figurenunterstützung  überrennen wollte. Claudiu wartete seine Schwächung ab, pulverisierte seinen Angriff und gewann. Freudig, aber immer noch ohne Hoffnung trug ich das Ergebnis ein: 1:0.

Henri Berntgen, der extra sein Computerspiel unterbrochen hatte, um am Ligawettkampf teilzunehmen, kam remisierte und eilte zu seinem Computerspiel zurück: 1,5 : 0,5.

Auch Fritz Kirch meldete bald remis: 2:1

Neben mir an Brett 7 wollte Friedrich Holiga wissen, welche DWZ sein Gegner hat, ob er stark sei und was er machen solle. Fragen 1 und 2 wurden mangels Kenntnis und Ligaheft nicht beantwortet, Frage 3 mit dem Tipp versehen, Schach zu spielen.

Mein Gegner hatte mittlerweile seinen Zentralbauern und die Quali spucken müssen, was meinen überlegenen Eröffnungskenntnissen zu verdanken war, die diesmal nicht schon nach dem 2-ten Zug zu Ende waren, sondern erst nach dem 3-ten Zug. Er wurde wild und griff mit allem an, was er auf dem Brett fand. Ich musste ständig Opferkombis, die unweigerlich zum Dauerschach oder Schlimmeren geführt hätten,  abwehren. Meine Zeit wurde knapp und mein Gegner beschleunigte die Ausführung seiner Züge. Ich beorderte meine Angreifertruppe zur Verteidigung zurück und wehrte alles ab. Nach der Zeitkontrolle und Rückgabe der Quali, bot sich mir ein seltsames Bild. ABC- Bauern auf der 2-ten Reihe und ihnen gegenüber – NICHTS. Kein Bauer, keine Figur, nichts. Freie Sicht auf die 8-te Reihe. Kurzzeitig dachte ich an den Al-Quaida-Plan: Bauern zum Selbstmord auf die letzte Reihe, dann zur Belohnung keine 140 Jungfrauen im Paradies, sondern 3 Damen auf dem Brett und Errichtung eines Weiberregiments.

Angesichts der Zeitkontrolle kehrte ich schnell zum Normalschach zurück, ließ den c-Bauern laufen, tauschte mit einem kleinen Abzugstrick die Damen und gewann: 3:1.

Sofort jammerte Sfr. Holiga, dass er wieder verlieren würde. Ich sah mir seine Stellung an. Aufgrund seiner Mehrbauern hatte er es wirklich sehr schwer, den Verlustzug zu finden, obwohl er sich alle Mühe gab. Kurze Zeit später wurde mir zugetragen, Holiga hätte gewonnen. Ich eilte zu seinem Bett zurück. Tatsächlich, sein Gegner hatte eine Figur eingestellt. Jetzt sah sich Friedrich mit unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der Suche nach seinem Verlustzug konfrontiert und nahm verzweifelt die Aufgabe seines Gegners an: 4:1.
Auf vielfachen Wunsch eines einzelnen verlieh ich ihm den Titel „Held der sozialistischen Arbeiter- und Bauernmehrheit“ .

Jetzt wurde ich nervös. Sollte das Undenkbare eintreten und an den verbliebenen 3 Brettern einer remis machen und den Sieg heimfahren?

Ich ging zu Bajram und sah in den Abgrund. Sein Gegner ließ ihm die Wahl zwischen Partieverlust und Matt. Bajram wählte Partieverlust: 4:2

An Brett 2 kämpfte Raul gegen den nominell stärksten Zirndorfer ( ELO 2049!). Trotz heroischer Abwehrschlacht musste er die Segel streichen: 4:3.

Alle Scheinwerfer richteten sich nun auf Brett 1 . Babichev gegen Krasnikov. Ein Turmendspiel bei gleichen Bauern, Watzlav hatte aber eine Bauerninsel mehr. Ich klammerte meine Hoffnung an folgende unabänderlichen Lehrsätze: Turmendspiele sind langweilig, Doppelturmendspiele sind langweilig und remis. Wie konnte ich ahnen, dass der Erfinder dieser Lehrsätze ein Lügner ist? Oder lag es nur an der Fähigkeit von Babichev, ein langweiliges Turmendspiel so zu führen, dass es mich vor Spannung fast zerissen hat? Leider wurde es nicht remis: 4:4.

4 SW Nürnberg Süd 5 DWZ - SK Zirndorf 2 DWZ 4 - 4
1 2 Babichev, Vyacheslav 1686 - 1 Krasnikov, Paul 1858 0 - 1
2 4 Osuna Sanchez-Infante, Raul   - 2 Lange, Carsten 1883 0 - 1
3 5 Bala, Claudiu 1754 - 3 Stoll, Tobias, Dr. 1636 1 - 0
4 6 Berntgen, Henri 1576 - 4 Fisch, Gerald 1738 ½ - ½
5 7 Kirch, Fritz 1661 - 5 Weißmann, Peter 1641 ½ - ½
6 8 Llugiq, Bajram 1687 - 6 Wedel, Patrick 1631 0 - 1
7 9 Holiga, Friedrich 1648 - 7 Schwab, Roland 1684 1 - 0
8 11 Berg, Winfried 1655 - 8 Ludwig, Norbert 1558 1 - 0
Schnitt: 1666 - Schnitt: 1703  

So nah am Sieg, fühlte sich das nicht erwartete Unentschieden fast wie eine Niederlage an. Sfr. Horst Steindl fuhr meine gemischten Gefühle nach Hause. Zufrieden war ich, weil ich sah, wieviel Qualität und Kampfgeist in der Mannschaft steckt.

Zu Hause zeigte mir mein Mobiltelefon, wie ich meinen Gegner in der von ihm gewählten „Emmentalervariante“ noch schneller auf den weißfeldrigen Löchern  platt hätte machen können, belegte selbigen auf eine Scheibe Brot, schenkte mir ein Glas nuraghischen Weißwein von Sella & Mosch ein und entschlummerte selig mit dem Gedanken, wir sind halt nicht der FCN und der Berg ist auch kein Verbeeg.

 Mannschaft123456789MPktBPkt
1. SC Postbauer-Heng 2 **   4 5   5 5 5 5 16 - 1 29,0
2. SW Nürnberg Süd 4   ** 5     5 6 15 - 0 28,0
3. SK Zirndorf 2 4 3 **     4 11 - 5 24,5
4. SG M-R/Schwabach 2 3   ** 4     6 7 - 7 22,0
5. SC Noris-Tarrasch Nürnberg 6     4 ** 2   7 - 7 18,5
6. Zabo-Eintracht Nürnberg 2 3 3   6 ** 2   6 - 12 22,0
7. SK Nürnberg 1911 3 3     6 ** 4   4 - 10 19,0
8. Zabo-Eintracht Nürnberg 3 3 2     4 **   1 - 13 15,0
9. SW Nürnberg Süd 5 3 4 2       ** 1 - 13 14,0

 Als Nächstes geht es in Runde 7 am 14.3.14 zu Zabo-Eintracht N. 2