Landesliga Nord: SK Klingenberg - SW Nürnberg Süd 5:3

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Leider mussten wir in der 8.Runde der Landesliga Nord am 15.3.2015 auf Johannes Fischer am Spitzenbrett verzichten und deshalb Klaus Meulner aus der Zweiten als Ersatz verpflichten.

Als ich am Samstagabend, nach meiner Rückkehr von der Mfr. Blitzeinzelmeisterschaft, eine Mail von Jürgen vor fand in der er schrieb dass er krank im Bett liegt hatte ich schon beinahe Panik und befürchtete, dass wir womöglich zu siebt fahren müssen. Auf der Fahrt zum Treffpunkt in der U-Bahn erreichte mich ein Anruf von Hannes, aber dann brach die Verbindung ab. Womöglich der nächste Ausfall? Aber nein, kurze Zeit später stellte sich heraus dass meine Befürchtungen umsonst waren: Glücklicherweise konnte Jürgen spielen und Hannes hatte nur meinen telefonischen Weckruf vermisst.

So fuhren wir also doch zu acht und ziemlich siegessicher früh morgens in Richtung Klingenberg los. Auch ohne Johannes sollte der Wettkampf beim Tabellenschlusslicht normalerweise doch keine großen Probleme bereiten.

- alle Partien kommentiert -

Brett 8: Klaus Link (1852) – Klaus Meulner (2078) ½ - ½ Partie

Klaus spielte ein Damenfianchetto und ging im 12. Zug mit h5 vielleicht etwas zu optimistisch vor. Nach dem 14. Zug bot ihm sein Gegner in leicht besserer Stellung Remis an. Als Klaus mich fragte ob er es annehmen darf war ich mit ihm einer Meinung: Seine Stellung wäre sehr unangenehm zu spielen gewesen. Deshalb „genehmigte“ ich den Wunsch das Remis annehmen zu dürfen, auch wenn sein Gegner über 200 DWZ-Punkte weniger auf die Waage brachte. Zu dem frühen Zeitpunkt war an den anderen Brettern noch nicht viel passiert.

Zwischenstand: ½ - ½

Brett 6: Simon Langer (1807) – Pieter Van Ginkel (2100) 1 – 0 Partie

Hier wurde von Pieter Sizilianisch gespielt, eine Variante die ich auch schon öfter mal auf dem Brett hatte. Mit 10. Ke2 spielte Weiß äußerst ungewöhnlich, auch wenn sogar Judith Polgar diesen Zug schon spielte (wenn auch nur in einer Simultanpartie und die hat sie verloren). Im 12. Zug wich Pieter allerdings von dieser Simultanpartie ab. Vier Züge später hätte er das erste Mal entscheidend in Vorteil kommen können. Zwei Züge später ein weiteres Mal, aber Pieter glaubte da wohl an einen Figurengewinn und einen schnellen Sieg. Mit 22. Te8 statt g6 verpasste Pieter ein letztes Mal die Gelegenheit die Partie zu seinen Gunsten zu entscheiden. Im 25. Zug verpasste sein Gegner ein zweizügiges Matt. In einer Stellung mit vielen taktischen Möglichkeiten ließen beide im weiteren Verlauf mehrmals gute Chancen aus. Richtig bitter wurde es für Pieter im 34. Zug: Statt Ka6 mit guten Aussichten auf Remis durch Dauerschach gestattete er seinem Gegner ein weiteres Mal ein Matt in zwei Zügen und diesmal übersah der das nicht noch mal.

Zwischenstand: ½ - 1 ½

Brett 2: Tobias Kuhn (2195) – Wolfgang Kordts (2150) 1 – 0 Partie

Die Eröffnung ging von Nimzoindisch in damenindische Gefilde über. Wolfgang hätte vielleicht im 13. Zug seinen Springer statt nach d7 nach c6 entwickeln sollen, der dann über a5 den Bauern c4 zu einem Angriffsobjekt macht. Ich muss zugeben, als er später am Königsflügel mit g5 vorgeht hatte ich bei gelegentlichen Seitenblicken Bedenken wegen seiner Königssicherheit. Aber alles war im grünen Bereich. Wenn Wolfgang im 27. Zug Ke7 gespielt hätte wäre plötzlich der weiße König in einen Angriff der schwarzen Türme geraten. Stattdessen landete er in einem schwierigen Turmendspiel. Dass er im 35. Zug mit Kf5 statt Kf7 und dem anschließenden taktischen Trick Th3 nebst Te3 (mindestens) Ausgleich erzielen konnte war am Brett schwer zu sehen. Der Weiße spielte anschließend das Endspiel stark weiter und Wolfgang musste nach dem 42. Zug seines Gegners aufgeben.

Zwischenstand: ½ - 2 ½

Brett 3: Hannes Just (2134) – Klaus Kraich (2075) ½ - ½ Partie

Der geschlossene Sizilianer wirkte auf den ersten Blick vorteilhaft für Hannes, vor allem als sein Gegner im 9. Zug d4 erlaubte, aber bei näherer Betrachtung war nicht viel los. Ganz im Gegenteil, allmählich gewann der Schwarze die Oberhand und hatte im 24. Zug die Möglichkeit, in ein vorteilhaftes Endspiel abzuwickeln. Im 30. Zug war Hannes gezwungen, eine „Qualle“ zu geben um einen ansonsten überaus lästigen Springer auf e3 los zu werden. Zwei Züge später tat es ihm sein Gegner gleich und beseitigte einen weißen Springer auf c5. Kurze Zeit später kam es zu einem kurzen Wettstreit der Damen im Schachbieten. Hieraus ging Hannes als „Sieger“ hervor und nach 40 Zügen einigte man sich wegen Dauerschach auf Remis.

Zwischenstand: 1 – 3

Brett 5: Karsten Bunk (2068) – Jürgen Wambach (1951) 1 – 0 Partie

Karsten spielte mal wieder Englisch und sein Gegner wählte die symmetrische Variante mit c5. In einer typischen Karsten-Partie kam er mit feinem Positionspiel allmählich am Damenflügel in Vorteil, wobei er einen seiner Springer über das Eckfeld a1 auf das Traumfeld c5 schickte. Johannes (Fischer) beschäftigte sich im Januar in einem Artikel („Auf der Suche nach dem Eckspringer“) bei Chessbase.de mit dem Thema! Nach 45 Zügen blieb seinem Gegner nur noch die Aufgabe.

Zwischenstand: 2 – 3

Brett 7: Richard Saathoff (2101) – Bernd Zöller (1899) 0 – 1 Partie

Richard bekam es diesmal mit der Aljechin-Verteidigung zu tun. Sein Gegner spielte allerdings nicht im Geiste des Erfinders und nach 18 Zügen war der weiße Vorteil relativ deutlich. Es entwickelte sich mehr oder weniger ein Spiel auf ein Tor. Richard ließ mehrfach bessere Fortsetzungen aus, mit denen er seinen Vorteil noch vergrößern oder zu einer Gewinnstellung verdichten konnte. Vermutlich auf der Suche nach Gewinn in besserer Stellung geriet er nach und nach in Zeitnot und diese wurde ihm zum Verhängnis: Im 39. und 40. Zug verdarb er seine Stellung endgültig und landete in einem verlorenen Schwerfiguren-Endspiel. Nach 63 Zügen musste er schließlich aufgeben. Was für ein Drama!

Zwischenstand: 2 – 4

Brett 4: Walter Strobel (2062) – Jürgen Stiller (2119) 0 – 1 Partie

Jürgen wählte die Caro-Kann-Verteidigung und sein Gegner spielte die scharfe Vorstoßvariante und ging am Königsflügel forsch mit h4 und g4 vor. Auch nach dem Damentausch im 16. Zug blieb die Stellung taktisch geprägt und der Weiße versuchte mit seinen Türmen auf die 7. Reihe einzudringen. Vermutlich waren dann beide Spieler in Zeitnot und ließen einige Möglichkeiten aus. Jürgens Konter erwies sich schließlich als gefährlicher und nach überstandener Zeitnot spielte er seine Gewinnstellung nach Hause. Seinem Gegner blieb nach 51 Zügen nur noch die Aufgabe.

Zwischenstand: 3 – 4

Brett 1: Gerhard Reis (2144) – FM Fabian Englert (2323) 0 – 1 Partie

Durch Zugumstellung kam der Holländische „Stonewall“ aufs Brett und ich konnte nicht wie gewohnt mit einem Königsfianchetto dagegen spielen. Nach rund 20 Zügen war ich aber mit dem Ausgang der Eröffnung sehr zufrieden, hatte mehr Raum am Damenflügel und meine Figuren wirksam platziert. Leider war ich bei der Suche nach guten Zügen mal wieder sehr großzügig mit der Bedenkzeit umgegangen und geriet, wie auch mein Gegner, in Zeitnot. Diesem Umstand ist zu verdanken dass ich leider in meiner guten Stellung einige Male beste Chancen nicht nutzte. Als wir beide die Zeitnotphase überstanden hatten blieb von meiner ehemals sehr guten Stellung nur noch eine ausgeglichene übrig. Vielleicht auch aus Enttäuschung darüber und angesichts des aussichtslosen Verlaufs des Wettkampfs spielte ich in der Phase nach dem 40. Zug ungenau und machte zwei Fehler. Danach landete ich in einem verlorenen Turmendspiel, wobei ich im 52. Zug noch einmal verpasste, den Gewinn meinem Gegner maximal zu erschweren und vielleicht doch noch Remis zu halten. So aber musste ich nach 60 Zügen aufgeben.

Endstand: 3 – 5

 

Fazit: Auch beim Tabellenschlusslicht muss man besser spielen um zu gewinnen! Das war definitiv nicht unser Tag. In der letzten Runde müssen wir gegen Bindlach unbedingt punkten um den Abstieg zu vermeiden.

 

2 SK Klingenberg 1 DWZ ELO - SW Nürnberg Süd 1 DWZ ELO 5 - 3
1 1 Englert, Fabian 2323 2318 - 3 Reis, Gerhard 2144 2182 1 - 0
2 2 Kuhn, Tobias 2195 2230 - 4 Kordts, Wolfgang 2150 2212 1 - 0
3 4 Kraich, Klaus 2075   - 5 Just, Hannes 2134 2152 ½ - ½
4 5 Strobel, Walter 2062 2275 - 6 Stiller, Jürgen 2119 2181 0 - 1
5 6 Wambach, Jürgen 1951   - 7 Bunk, Karsten 2068 2090 0 - 1
6 7 Langer, Simon 1807 1868 - 8 Van Ginkel, Pieter 2100 2188 1 - 0
7 8 Zöller, Bernd 1899   - 9 Saathoff, Richard 2101 2135 1 - 0
8 9 Link, Klaus 1852 1919 - 14 Meulner, Klaus 2078 2129 ½ - ½
Schnitt: 2020 2122 - Schnitt: 2111 2158  

 

RangMannschaft12345678910MPktBPkt
1. SC NT Nürnberg 2 **   5 4 6 15 - 1 43,5
2. SK Kelheim 1 ** 4 6 5 3 5   11 - 5 34,5
3. SC Kitzingen 1   4 ** 3 1 6 4 4 4 8 - 8 31,5
4. TSV Bindlach SAbt 2 3 2 ** 5   5 5 8 - 8 30,5
5. SK Schweinfurt 1 4 5 3 ** 3   7 6 7 - 9 34,0
5. SC Bamberg 1 2 3 7 ** 4   7 - 9 34,0
7. SW Nürnberg Süd 1 2   5 ** 4 5 3 7 - 9 30,5
8. SC Bad Kötzting 1 5 4 3   4 4 ** 6 7 - 9 30,0
9. SV Würzburg 1 3 4 1   3 ** 7 - 9 29,0
10. SK Klingenberg 1   4 3 2 5 2 ** 3 - 13 22,5